Wie geht man in der Cladistik mit Mosaikformen um?
In der Cladistik berechnet man auf der Basis gemeinsamer „abgeleiteter“ („höherentwickelter“) Merkmale mit Computereinsatz gemäß bestimmter Regeln Ähnlichkeitsbäume, sogenannten Cladogramme, die häufig als Stammbäume interpretiert werden (aber nicht interpretiert werden müssen). Die Problematik um Übergangsformen und Mosaikformen gibt es in der Cladistik aus methodischen Gründen nicht. Vielmehr werden einfach alle Formen eines untersuchten Formenkreises nach erfolgter Merkmalsanalyse und evtl. Merkmalsbewertung nach vorgegebenen Regeln in ein Baumdiagramm gebracht. Es werden Baumdiagramm ermittelt, die mit einem Minimum an Evolutionsschritten auskommen sollen (Sparsamkeitsprinzip; oft gibt es mehrere oder sogar zahlreiche Varianten sparsamer Bäume). Im Idealfall ist ein Baumdiagramm so konstruierbar, dass keine Konvergenzen vorkommen, das heißt in keinem Fall angenommen werden muss, dass ein an sich sehr ähnliches Merkmal zwei- oder mehrfach unabhängig entstanden ist. Diesen Idealfall gibt es praktisch nie, es sei denn, es werden nur sehr wenige Arten und sehr wenige Merkmale zugrunde gelegt. In vielen Fällen ist das Ausmaß an Konvergenzen erheblich. Gleichgültig, wie man ordnet und Merkmale bewertet, hat man es mit Konvergenzen zu tun, die ein stimmiges Bild eines widerspruchsfreien Ähnlichkeitsbaums mehr oder weniger stark stören. Zu diesen Störungen beziehungsweise Widersprüchen tragen Mosaikformen in der Regel in besonderem Maße bei. In der Cladistik wird dies jedoch nicht weiter problematisiert; der Computer kann immer die sparsamsten Baumdiagramme ermitteln, gleichgültig, welches Ausmaß an Konvergenzen vorliegt. In der Cladistik wird die Konvergenzproblematik und mit ihr die Problematik evolutionär nicht passender (beziehungsweise schwer einzuordnenden Mosaikformen) in gewissem Sinne ausgeblendet, aber nicht völlig. Sie tritt in Form von Zahlenangaben über interne Konsistenz von Cladogrammen durchaus in Erscheinung.
Autor: Reinhard Junker, 13.01.2005, aktualisiert am 05.01.2026, https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/f24
Tiefergehende Informationen zu diesem Thema
Definition von Mosaikform und Übergangsform, https://genesis-net.de/s/0-3/3-1/