Ist Gott als Schöpfer ein „Lückenbüßer“ für Unverstandenes?

Ist Gott als Schöpfer ein „Lückenbüßer“ für Unverstandenes?

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Der Ansatz der Schöpfungslehre und auch des „Intelligent Design“ (Einführung in „Intelligent-Design“, https://genesis-net.de/s/0-4/1-1/) wird häufig mit dem theologischen Argument kritisiert, dass Gott zum Lückenbüßer unverstandener Phänomene degradiert werde. Früher oder später würden durch Forschung ungelöste Fragen beantwortet werden, was zu einer „Wohnungsnot“ Gottes führen müsse, wenn offene Fragen als Hinweise auf Gottes Wirken betrachtet würden.

Wird also Gott als Schöpfer immer dann bemüht, wenn wir Phänomene nicht verstehen? Wenn das so wäre, könnte man mit Recht eine zunehmende Einengung des „Handlungsspielraums“ Gottes anprangern, denn unser Wissen nimmt zu. Die Begründung für das Schöpfungsparadigma und für „Intelligent Design“ braucht offenkundig eine andere Basis als unser Nichtwissen.

Wenn man der Bibel folgt, ist die Begründung für Schöpfung die Offenbarung, die uns in der Heiligen Schrift gegeben wird (vgl. dazu Biblische Grundlagen der Schöpfungslehre, https://genesis-net.de/s/0-1/1-1/). Von da aus wird weitergefragt, wie die Daten der Naturwissenschaften damit in Beziehung gesetzt werden können. Dass Gott Schöpfer ist und was dies bedeutet, ist also durch Offenbarung vorgegeben und hat mit Wissens- oder Verständnislücken nichts zu tun. Die Vorgabe der Offenbarung ist allerdings relativ allgemein gehalten und muss konkretisiert werden, damit darauf aufbauend Forschung betrieben werden kann. Wie das funktioniert, wird in den Artikeln Schöpfung und Wissenschaft (https://genesis-net.de/s/0-1/1-2/) und Biblische Schöpfungslehre und Grundtypenbiologie (https://genesis-net.de/s/0-3/1-1/) gezeigt.

Gott befindet sich selbstverständlich nicht in Wissens- oder Erklärungslücken; er füllt keine Lücken in einem Szenario, in dem ansonsten alles gesetzmäßig-natürlich verläuft. Gottes Handeln ist auch kein Teil von Hypothesen. Vielmehr steht Gottes Handeln als Schöpfer am Anfang; es ist vor jeder Theorie oder Hypothese, nicht Teil davon; es ist Vorgabe, unter der man fruchtbare Forschung machen und neues Wissen erwerben kann: Wissenschaft in einer geschaffenen Welt.

Geht man von Schöpfung im biblischen Sinne (durch Gottes Wort) aus oder lässt man diese Option wenigstens offen, stellt sich die Frage, ob Spuren seines Wirkens an klar definierten Merkmalen der Schöpfung festgemacht werden können. Dieser Fragestellung widmet sich der Ansatz des „Intelligent Design“. Dabei geht es darum, anhand positiver Evidenzen „Design-Indizien“ zu erkennen (vgl. Einführung in „Intelligent-Design“, https://genesis-net.de/s/0-4/1-1/). Dieses Vorhaben muss sich in der Forschung bewähren; es könnte aber auch scheitern. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass der Wissenszuwachs über Evolutionsmechanismen und über die Komplexität biologischer Phänomene das Design-Argument eher bestätigt als geschwächt hat (vgl. dazu Nichtreduzierbare Komplexität, https://genesis-net.de/s/0-4/1-4/). Es ist daher auch für die Zukunft keineswegs gesagt, dass mehr Wissen die Hinweise auf einen intelligenten Urheber auslöschen wird. Es kann auch das Gegenteil eintreten. Aber das wird die weitere Forschung zeigen müssen.

Aus biblischer Sicht ist die Suche nach „Design-Indizien“ und das damit verbundene Intelligent Design-Argument legitim. Paulus schreibt nämlich im 1. Kapitel des Römerbriefs: „Denn was man von Gott erkennen kann, das ist unter ihnen wohlbekannt; Gott selbst hat es ihnen ja kundgetan. Sein unsichtbares Wesen lässt sich ja doch seit Erschaffung der Welt an seinen Werken mit dem geistigen Auge deutlich ersehen, nämlich seine ewige Macht und göttliche Größe“ (Römer 1,19-20; nach Menge). Die Wendung „mit dem geistigen Auge“ kann auch mit „denkend“ übersetzt werden. Gemeint ist also, dass ein aufmerksames Beobachten der Schöpfung unter Einsatz des Verstandes auf einen Urheber schließen lässt, ja sogar, dass man auf diesem Wege etwas über sein Wesen erkennen kann. Das alles hat nichts mit Lückenbüßer-Argumenten zu tun.

Wichtig ist auch noch folgender Aspekt: Man muss zwischen Wissens- und Erklärungslücken unterscheiden. Wenn Wissenslücken gefüllt werden, kann es sein, dass Erklärungslücken größer werden. Es kann sein, dass es für die naturalistische Weltsicht (nach der es nur natürliche Prozesse gibt) grundsätzliche Erklärungslücken gibt, einfach deshalb, weil bestimmte vermutete Prozesse gar nicht funktionieren (zum Beispiel natürliche Entstehung von Lebewesen ohne Plan und Steuerung). Wissenschaft hat auch die Aufgabe, herauszufinden, ob und gegebenenfalls, wo es solche grundsätzlichen Erklärungslücken gibt.

Zur Vertiefung: „Das Design-Argument in der Biologie – ein Lückenbüßer?“ von Reinhard Junker; unter https://www.wort-und-wissen.org/wp-content/uploads/a19.pdf.


Autor: Reinhard Junker, 10.05.2008, aktualisiert am 05.01.2026, © alter Link: 2008, https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/f73.php

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