Leben durch Zufall und Naturgesetze
Wie Lebewesen sich im Einzelnen entwickelt haben, ist evolutionstheoretisch gesehen Zufall. Doch der Zufall wird „gebändigt“ durch Naturgesetze. Beides zusammen soll die Triebfeder des Artenwandels sein.
1.0 Inhalt
Es wird kurz erläutert, was mit „Naturalismus“ gemeint ist und welche Rolle Zufall und Notwendigkeit (Naturgesetze) in der Evolution des Lebens spielen sollen.
1.1 Naturalismus
Ziel der Forschung im Rahmen der Evolutionslehre ist es, allein auf der Basis von natürlichen Vorgängen die Entstehung und Geschichte des Lebens zu erklären. Diese Vorgehensweise wird als Naturalismus bezeichnet, d. h. nur natürliche Vorgänge werden als Erklärungen akzeptiert. Dabei muss allerdings zwischen einem methodischen und einem ontologischen Naturalismus unterschieden werden (s. u. und den Artikel „Wissenschaftstheorie“ (https://genesis-net.de/a/1-1/3-1/)).
1.2 Zufall und Notwendigkeit
In der Evolutionsforschung spielt das Stichwortpaar „Zufall und Notwendigkeit“ eine besondere Rolle. Zufällig, richtungslos auftretende Veränderungen gelten als das Rohmaterial der Entwicklung. Die Entwicklung ist daher nicht zielorientiert. Würde sie noch einmal von vorne beginnen können, käme nach Auffassung der meisten Evolutionsbiologen mit Sicherheit ein anderes Ergebnis als das uns bekannte heraus. Allerdings regiert der Zufall nicht uneingeschränkt. „Naturgesetze steuern den Zufall.“ So formulierten Manfred Eigen und Ruthild Winkler den Untertitel eines Buches. Gesetzmäßigkeiten, die der Materie innewohnen, sollen demnach die Zufallsänderungen in letztlich doch geordnete Bahnen führen. In der Evolutionsbiologie wird das Begriffspaar „Zufall und Notwendigkeit“ durch „Mutation“ (https://genesis-net.de/e/1-3-b/2-1/) und „Selektion“ (https://genesis-net.de/e/1-3-b/2-2/) (und andere Faktoren) konkret gefüllt.
1.3 Der Naturalismus nur eine Methode?
Der Naturalismus ist als Methode in der Forschung gegenwärtiger Phänomene und Abläufe kaum umstritten. In der Ursprungsforschung jedoch wird der Naturalismus häufig zu einer Weltanschauung, die über eine bestimmte Methode der Forschung weit hinausgeht. Wenn nämlich Schöpfungsakte, die wissenschaftlich nicht nachweisbar sind, grundsätzlich ausgeschlossen werden, so wird nicht nur eine methodische, sondern eine inhaltliche Entscheidung getroffen, die nur weltanschaulich begründet werden kann. Daher muss zwischen einem methodischen und ontologischen (seinsmäßigen) oder weltanschaulichen Naturalismus unterschieden werden. Letzterer bedeutet: Es gibt nichts außer der Natur. Ersterer dagegen heißt: Es werden nur natürliche Faktoren als Erklärungen zugelassen, ohne dass ausgeschlossen wird, dass es mehr als die Natur gibt. Im Artikel „Wissenschaft und Weltanschauung“ (https://genesis-net.de/a/1-1/3-3/) wird diese Problematik diskutiert.
Autor: Reinhard Junker, 01.01.2004
Aktualisiert am 07.01.2024 (B. Scholl); © beim Autor; alter Link: 2004, https://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/i40423.php