Sexuelle Selektion (Überblick)
Sexuelle Selektion ist eine wichtige Annahme im Rahmen der Evolutionslehre. Sie wird meist als Erklärung herangezogen, wenn ein Merkmal keinen anderweitig erkennbaren Überlebens- bzw. Fortpflanzungsvorteil bietet und deshalb nicht durch natürliche Selektion erklärbar ist.
Hier geht es zum ausführlicheren Expertentext zur Sexuellen Selektion und hier findet sich das konkrete Beispiel des Pfauenrads.
Obwohl sexuelle Selektion ein häufiger Bestandteil evolutionstheoretischer Erklärungen ist, scheint es hierzu von schöpfungswissenschaftlicher Seite vergleichsweise wenig Veröffentlichungen zu geben. Sie wird zwar oft erwähnt, dabei allerdings eher als ein Unterthema behandelt.
Es gibt viele Tierarten, bei denen ein Geschlecht um das andere für die Paarung wirbt – meist das Männchen um das Weibchen. Dabei kommen oft Merkmale bzw. Verhaltensweisen zum Einsatz, die ein Geschlecht vom anderen unterscheiden, aber nicht am Geschlechtsakt beteiligt sind. Sie werden als sekundäre Geschlechtsmerkmale bezeichnet. Durch diese Merkmale bzw. Verhaltensweisen soll ein Partner gewonnen und so der Fortpflanzungserfolg gesteigert werden.
Dabei können zwei Kategorien unterschieden werden:
- Merkmale / Verhaltensweisen, die dem anderen Geschlecht imponieren sollen.
- Merkmale / Verhaltensweisen, die dem Wettkampf um Weibchen zwischen Männchen dienen.
Zu 1. zählt u. a. der leuchtend aufgeblasene rote Kehlsack des Fregattvogels, der Weibchen anlocken soll (Abb. 1 links). Der Japanische Kugelfisch kreiert zur Balz im Verlauf von 7–9 Tagen ein kreisrundes, symmetrisches Kunstwerk im Sand, das er darüber hinaus mit Muscheln verziert (hier ein Video zu diesem erstaunlichen Verhalten: https://www.youtube.com/watch?v=N2WMAyPzwKk). Es hat einen Durchmesser von bis zu zwei Metern, und in der Mitte werden dann die Eier abgelegt und befruchtet.
Zu 2. gehört beispielsweise das Hirschgeweih, mit dem Hirsche den Rivalenkampf um die Paarung mit den Hirschkühen austragen (Abb. 1 rechts).

Abb. 1 Der aufgeblasene Kehlsack des Fregattvogels soll Weibchen imponieren (links), mit dem Geweih kämpfen Rothirsche gegen Rivalen (rechts). (Bildquelle: Unsplash)
Merkmale, die nach aktuellem Kenntnisstand lediglich der sexuellen Selektion dienen sollen, haben meist keinen anderweitigen Überlebens- oder Fortpflanzungsvorteil für das Individuum an sich. Zum Teil ist ihre Ausbildung und Aufrechterhaltung für den jeweiligen Körper mit hohem Energieaufwand verbunden. Diese Energie fehlt dann in anderen, für das Überleben unmittelbar wichtigen Körpersystemen.
Deshalb bleibt die Frage, warum sich solche Merkmale, die sich im außerartlichen Überlebenskampf nicht positiv oder gar negativ auswirken und scheinbar unnötig energieaufwändig sind, im Rahmen der natürlichen Selektion überhaupt durchsetzen können. Evolutionsvertreter verweisen darauf, dass solche Merkmale den Fortpflanzungserfolg des jeweiligen Individuums innerhalb der Art so stark fördern, dass sie dennoch weiter mitvererbt und nicht ausselektiert werden (= sexuelle Selektion).
Die folgenden Ausführungen beziehen sich nur auf die 1. Merkmale der sexuellen Selektion, die dem anderen Geschlecht imponieren sollen, da diese Form am bekanntesten ist und gerne als Erklärung für Merkmale gebraucht wird, die aufgrund ihrer (unnötigen) Schönheit auch als Schöpfungsindiz angesehen werden.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ein neues Merkmal nur dann sexuell selektiert werden kann, wenn das andere Geschlecht dieses Merkmal bevorzugt. Doch wie sollen Weibchen eine Präferenz für ein neues Merkmal entwickeln, welches es bis vor kurzem noch gar nicht gab? Die Bevorzugung eines Merkmals müsste sich erst entwickeln, was aber erst nach der Entstehung des zu bevorzugenden Merkmals an sich möglich wäre. Doch wie kann ein nutzloses Merkmal in der Population fortbestehen, solange es von den Weibchen noch nicht bevorzugt wird? Es würde in der Zwischenzeit viel eher aufgrund von Nutzlosigkeit oder durch die ungehinderte Ansammlung schadhafter Mutationen ausselektiert werden bzw. könnte sich gar nicht erst in der Population ausbreiten und dauerhaft erhalten. Demzufolge sollte ein neues Merkmal, das keinen konkreten Nutzen hat (wie z. B. ein erstes, winziges Geweih) und gerade zufällig evolvierte, unverzüglich eine Anziehung auf Sexualpartner bewirken. Dies kann aber eigentlich nur geschehen, wenn zufällig parallel eine Vorliebe bei den Sexualpartnern entsteht, oder wenn bereits eine vorprogrammierte Vorliebe bei den Sexualpartnern vorhanden war. Letzteres ist aber im Rahmen von zufälligen Naturprozessen nicht erwartbar, sondern eher bei Existenz eines intelligenten Schöpfers vorauszusetzen. Und selbst wenn man eine Parallelentwicklung von Merkmal und Vorliebe annehmen wollte, käme man nicht um eine Zwischenzeit ohne positiven Selektionsdruck rum, da die genetische Grundlage der Vorliebe ja ebenfalls ihre Zeit zur ausreichenden Entwicklung bräuchte.
Zusammengefasst: Es ist eine beobachtbare Tatsache, dass manche geschlechtsspezifischen Merkmale am Fortpflanzungserfolg ihres Trägers beteiligt sind. Dieser Sachverhalt erklärt aber nicht ihre erstmalige evolutive Entstehung. Vor allem die Tatsache, dass die Bevorzugung eines Merkmals vor der Entstehung des Merkmals keinen Sinn ergibt, ein neues Merkmal ohne anfängliche Bevorzugung aber keinen positiven Selektionswert hat und daher nicht erhalten bleibt, ist ein erhebliches Problem für das Konzept der sexuellen Selektion. Im Schöpfungsmodell kann sexuelle Selektion hingegen als erhaltende Kraft fungieren, um geschaffene schöne, aber in anderer Hinsicht nachteilige Merkmale zu erhalten (Kehlsack des Fregattvogels) oder bei manchen aufwändigen Verhaltensweisen einfach Ausdruck der Kreativität des Schöpfers sein (z. B. aufwändige Balzplätze beim Japanischen Kugelfisch). Doch sie kann keinen Schöpfer ersetzen.
Dieser Artikel wurde von Janik Neuland verfasst (13.05.2026).
Hier geht es zum ausführlicheren Expertentext zur Sexuellen Selektion (dort finden sich auch umfangreiche Literaturangaben). Und hier findet sich das konkrete Beispiel des Pfauenrads.