Die Bindung der Erdgeschichte an den Sündenfall des Menschen

Die Bindung der Erdgeschichte an den Sündenfall des Menschen

Aus biblischer Sicht besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Geschichte der Menschheit und der Geschichte des Lebens insgesamt. Erst durch die Sünde des Menschen kam der Tod in die Welt, auch in die außermenschlichen Schöpfung. Die Fossilüberlieferung als Zeugnis auch des Todes in der Schöpfung muss daher in den zeitlichen Rahmen der Menschheitsgeschichte gestellt werden.

1.0 Inhalt

In diesem Artikel wird gezeigt, weshalb aus biblischer Sicht die Geschichte des Lebens in einen kurzen Zeitrahmen gestellt werden muss. Das ergibt sich daraus, dass zum einen die Menschheitsgeschichte kurz ist (s. „Der kurze Zeitrahmen der Urgeschichte“ (https://genesis-net.de/s/0-2/1.2)), zum anderen daraus, dass aufgrund des Sündenfalls ein enger Zusammenhang zwischen der Geschichte des Menschen und der Geschichte der Tierwelt besteht.

Bei diesem Text handelt es sich um eine biblische Exegese [= Auslegung], während naturwissenschaftliche Aspekte nicht hier behandelt werden.

1.1 Einleitung

Im Artikel „Der kurze Zeitrahmen der Urgeschichte“ (https://genesis-net.de/s/0-2/1.2) wird erläutert, dass sich die Menschheitsgeschichte aus biblischer Sicht im zeitlichen Rahmen von einigen Jahrtausenden bewegt. Die Geschichte des Menschen ist – biblisch gesehen – mit dem Geschick der gesamten Schöpfung gekoppelt. Daraus ergibt sich ein ebenso kurzer Zeitrahmen auch für die Geschichte des Lebens. Im Folgenden soll dieser Zusammenhang erläutert werden.

1.2 Die Menschheit – durch den Ungehorsam der ersten Menschen dem Tod verfallen

In 1. Mose 2,17 wird dem ersten Menschen angedroht, dass er sterben wird, wenn er vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen isst. Dass der Mensch aus Erde geschaffen ist (1. Mose 2,7) schließt nicht die Notwendigkeit, sondern nur die Möglichkeit seines Todes, seiner Vergänglichkeit ein. In Gottes Nähe und am Ort des Lebensbaums war die Vergänglichkeit nicht wirksam. Kap. 2,17 („an dem Tage, da du von ihm [= dem Baum der Erkenntnis] isst, musst du des Todes sterben“) ist nicht so gemeint (wie öfter angenommen wurde), dass der Mensch noch am Tag des Ungehorsams hätte sterben müssen. Es handelt sich um ein Urteil. Ein solches muss nicht am Tage des Delikts vollstreckt werden, sondern kann einem weiteren Verfahren unterliegen. Von diesem Tag an ging aber das Dasein des ersten Menschenpaars unabwendbar auf das Sterben zu.

Die ersten Menschen haben sich durch ihren Ungehorsam gegen Gott entschieden (= Sünde). Im Weitergang dieses Gerichtsverfahrens wird ihnen durch die Vertreibung aus dem Garten Eden endgültig verwehrt, vom Baum des Lebens zu essen. „Der Tod ist der Sünde Sold“ (Röm 6,23). Der abschließende Beschluss Gottes, den Menschen endgültig vom Baum des Lebens fernzuhalten und ihn damit dem Tod preiszugeben, steht am Ende des Kapitels über den Sündenfall (1. Mose 3,22-24). Das Urteil Gottes ist damit auch im Text besonders hervorgehoben.

Die Menschen müssen sterben, da sie nun mit Gut und Böse vertraut sind. Denn nur Gott kann mit Gut und Schlecht (Böse) in rechter Weise umgehen. Die Menschen werden damit nicht so umgehen, wie es Gott gefällt.

Den Tod müssen die Menschen auch deswegen erleiden, da sie wie Gott werden wollten. Die Vertrautheit mit Gut und Böse bedeutet (nach 1. Mose 3,22; vgl. 3,5), dass der Mensch in gewisser Weise wie Gott geworden ist. Die Menschen erlagen der Versuchung, von der Gottebenbildlichkeit zur Gottgleichheit zu werden.

1.3 Der Tod von Tieren wird erst nach dem Sündenfall berichtet

In der biblischen Urgeschichte wird nicht ausdrücklich gesagt, dass der Tod der Tierwelt durch den Sündenfall des Menschen bewirkt wurde (s. u.). Aber es wird zumindest angedeutet. Denn das erste Menschenpaar erhält nach dem Sündenfall Kleidung aus Fellen (1. Mose 3,21), also auf Kosten des Lebens unschuldiger Wesen. Auch das Opfer Abels (1. Mose 4,4) setzt den Tod von Tieren voraus.

1.4 Menschen und Tiere sollten sich ursprünglich vegetarisch ernähren

Zu diesem Thema gehört auch: In der ursprünglichen Schöpfung war sowohl Tieren als auch Menschen ausdrücklich nur pflanzliche Nahrung zugewiesen (1. Mose 1,29f.). Es wird ausdrücklich gesagt, dass es auch so geschah. In 1. Mose 1,29f. handelt es sich also um die Beschreibung eines urzeitlichen, aber gegenwärtig nicht mehr herrschenden Friedens. Das Töten ist nicht durch Gottes Ordnung und Gebot in die Welt gekommen. Erst nach Noah gibt es eine andere Ordnung (1. Mose 9,2).

1.5 Die Tierwelt – durch den Mensch der Vergänglichkeit unterworfen

Paulus nimmt in Römer 5,12-17 die Aussagen über den Sündenfall (1. Mose 3) auf. Danach kam der Tod durch Adam, den ersten Menschen, in die Welt (griech. Kosmos). Der Tod ist hier ganzheitlich zu verstehen, der leibliche Tod ist eingeschlossen. Das wird durch den Verweis auf den Tod von Adam bis Mose (Röm 5,14) besonders deutlich. Weiterführend sagt Paulus in Röm 8,19-23, dass die Vergänglichkeit ein sekundäres Kennzeichen der ganzen Schöpfung ist. Unter Schöpfung kann hier nur die Tierwelt verstanden werden. Dies wird von fast allen Auslegern anerkannt.

Der Neutestamentler C.H. Chang (2000) zeigt in einem umfangreichen Fachbuch detailliert: Schöpfung kann „in Röm 8,19-22 weder die gläubige noch die ungläubige Menschheit noch auch Engel oder Dämonen meinen; nur die außermenschliche, vernunftlose Schöpfung kommt in Frage (S. 90). „Die ‚Knechtschaft’ unter die physische [= körperliche] ‚Verderbnis/Vergänglichkeit’, in deren Zustand sich die außermenschliche Schöpfung gegenwärtig befindet, beruht auf dem historischen Ereignis, dass diese Schöpfung einstmals der physischen ‚Nichtigkeit unterworfen’ wurde“ (S. 134).

1.6 Die fossile Tierwelt – von Anbeginn dem Tod unterworfen

Fossilien sind Zeugnisse vergangenen Lebens. Sie sind aber besonders eindrucksvolle Zeugnisse des Todes, nicht selten eines gewaltsamen Todes. Tod und Gewalt in der Tierwelt und beim Menschen verweisen aber nicht auf Schöpfung, sondern auf ein göttliches Gericht. Durch den Ungehorsam des Menschen wurde auch die Tierwelt in die Knechtschaft der Vergänglichkeit, das heißt des Todes, hineingezogen (s.o.). Damit ist die Existenz von Fossilien Ausdruck der menschlichen Sünde in der Welt.

Dazu kommt, dass unter den Fossilien nahezu von Beginn ihres Auftretens (das heißt etwa mit dem Kambrium) auch zahlreiche räuberische und parasitisch lebende Tiere bekannt sind. Sie ernährten sich also nicht (mehr) so, wie es im Schöpfungsbericht für die ursprüngliche Tierwelt beschrieben wird. Denn damals war sowohl den Tieren als auch dem Menschen pflanzliche Nahrung zugewiesen (1. Mose 1,29f.; s.o.). Die räuberische und parasitische Lebensweise muss daher als nachträglich angesehen werden, als Folge des menschlichen Sündenfalls (siehe dazu „Modell für einen Umbruch in der Schöpfung“ (https://genesis-net.de/s/0-5/2-3/)). Deshalb muss die Bildung auch der frühesten Schichtgesteine mit Tierfossilien nach dem Sündenfall der ersten Menschen angesetzt werden.

1.7 Der Mensch, die Fossilien und die geologische Schichtenabfolge

Aus diesen Überlegungen folgt: Da erst durch den Sündenfall des Menschen der Tod in die Tierwelt eingedrungen ist, ist die Fossilüberlieferung von Tieren (ab dem Kambrium) in den zeitlichen Rahmen der kurzen Menschheitsgeschichte zu stellen (Abb. 103). Damit steht die biblisch-urgeschichtliche Geologie vor der gewaltigen Aufgabe, die Fossilüberlieferung zumindest ab dem Kambrium in den zeitlichen Rahmen der Menschheitsgeschichte zu stellen und in diesem Rahmen zu deuten (etwa mit dem Beginn des Kambriums treten tierische Fossilien auf; vgl. „Der kurze Zeitrahmen der Urgeschichte“ (https://genesis-net.de/s/0-2/1.2)).

Abb. 103: Aus biblischer Sicht gehört der Tod nur in die Zeit nach dem Sündenfall des Menschen.

1.8 Literatur

Chang, H.-K.: Die Knechtschaft und Befreiung der Schöpfung. Eine exegetische Untersuchung zu Römer 8,19-22. BWM 7. Wuppertal 2000.

Aktualisiert am 07.01.2024 (B. Scholl); © beim Autor: Manfred Stephan, 02.04.2009

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